Mittwoch, Mai 15, 2013
Nach dem klaren Heimerfolg gegen Sandhausen neige ich fast dazu, Energie für diese Saison doch noch ein positives Zeugnis auszustellen. “Du hattest ja Sonntag auch mindestens fünf Freibier drin” macht sich meine Waltraud lustig. “Da fällt die Versöhnung immer leichter.”
In der Tat zeigte sich der FCE Sonntag am Zapfhahn ähnlich verschwenderisch wie mit seinen Torchancen in der Rückrunde. An dieser Stelle einen großen Dank an die edlen Spender! Auch sportlich steht Cottbus eine Runde vor Schluss immerhin auf dem sechsten Platz und damit weiter vor Union Berlin. Doch zur kompletten Wiedergutmachung wäre neben der Ost-Meisterschaft noch ein kleines Lausitzer Husarenstück nötig.
Selbiges könnten die Energie-Kicker zustande bringen, falls sie Herthas Aufstiegsfeier nächsten Sonntag mit einem schönen Auswärtssieg stören. Denn es wäre einfach zu viel des Guten, wenn der FCE beim Jubelzug der Berliner Erzrivalen brav Spalier steht. Und wer weiß schon, wann und in welcher Liga Energie das nächste Mal im Olympiastadion auflaufen darf?
Euer Erich Bollermann
Freitag, Mai 10, 2013
“Soll Energie nun lieber alte oder junge Spieler holen?” fragte meine Frau letztens ratlos am Frühstückstisch. Waltraud ist nämlich inzwischen ganz kirre vom Transfergezanke zwischen den Kollegen Beeck und Bommer.
Mir ist die ganze Diskussion ehrlich gesagt völlig Banane. Viel wichtiger wäre doch, dass die Truppe schleunigst ein paar alte Macken ablegt. Zum Beispiel nervt es tierisch, wie Energie regelmäßig Punkte gegen kleine Vereine verschlampt. Nehmen wir nur mal unseren nächsten Gegner Sandhausen: Sowohl in der Liga als auch im Pokal zog der FCE diese Saison bei den Absteigern den Kürzeren. Was nützen starke Leistungen wie zuletzt gegen Lautern und Braunschweig, wenn man sich vorher auf einem abgelegenen Sportplatz in Baden-Württemberg den Schneid abkaufen lässt? Nur zwei, drei solcher Pleiten weniger und wir hätten im Schneckenrennen um den dritten Platz richtig auf den Putz hauen können.
Doch zum Glück gibt es für solche Vergehen ja zwei bewährte Mittel zur Versöhnung: Massig Tore und ordentlich Freibier. Auf beides spekulieren wir jetzt einfach mal fürs letzte Heimspiel der Saison am Sonntag.
Euer Erich Bollermann
Freitag, Mai 3, 2013
Nicht schlecht, was Energie da gegen Lautern aufs Parkett legte! Wenn die Kerle wirklich wollen, können sie tatsächlich Bäume ausreißen. Umso mehr dürfte alle Cottbuser Fans die Partie am nächsten Montag schmerzen. Denn dann wird uns der frischgebackene Überraschungsaufsteiger Braunschweig daran erinnern, was Energie diese Saison vielleicht erreicht hätte, falls ein bisschen mehr Leidenschaft und Konstanz vorhanden gewesen wäre.
„Und wenn mein Onkel Brüste hätte, wäre er wahrscheinlich meine Tante“ macht sich meine Waltraud lustig. “Trauerst Du dem Relegationsplatz etwa immer noch hinterher?” Aber darum geht’s doch gar nicht! Mich haben nur immer schon Mannschaften begeistert, die aus beschränkten Mitteln das Maximum herausholen. Deshalb drücke ich in der ersten Liga übrigens auch den Augsburgern die Daumen. Die Schwaben stemmen sich seit Wochen mit einer Aufopferung gegen den Abstieg, die einen irgendwann automatisch packt.
Und gemessen an solchen Maßstäben hat Energie in dieser Saison einfach deutlich weniger aus seinen Möglichkeiten gemacht als eben Braunschweig oder der FSV Frankfurt. Diese unangenehme Erkenntnis sollte Kicker, Trainer und Vereinsführung ruhig noch ein paar Wochen beschäftigen.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, April 24, 2013
In unserer Straße findet diese Woche eine Kleidersammlung statt. Da will meine Waltraud unbedingt mitmachen, um zu Hause Platz für neue Klamotten zu schaffen. Ich musste mich deshalb notgedrungen von zwei heiß geliebten Trainingshosen und einem schicken Pullunder trennen. Doch für einen guten Zweck nimmt man ja so einiges in Kauf.
Mit ähnlicher Nächstenliebe kümmerte sich unser FC Energie zuletzt wie ein Timurtrupp um die Kellerkinder der zweiten Liga. Vorheriges Wochenende halfen die Cottbuser Kicker dem Vfl Bochum um Trainerrückkehrer Peter Neururer wieder auf die Beine. Und letzten Sonntag bekamen auch die Schwerenöter aus Dresden durch Börners Platzverweis ein wenig Hilfestellung im Abstiegskampf.
Pünktlich zum Saisonende zeig der FCE unerwartet selbstlos. Wer in der zweiten Liga kurz vor Ultimo noch schnell drei Punkte braucht, kommt derzeit um eine Partie gegen Energie nicht herum. Kein Wunder also, dass sich für nächsten Montag gleich die Aufstiegsaspiranten aus Kaiserslautern ins Stadion der Freundschaft eingeladen haben. Bis vor ein paar Wochen wär diese Ansetzung sogar noch ein echtes Topspiel gewesen. Aber wenn wir den roten Teufeln nun in die Relegation verhelfen können, sorgt das zumindest für ein gutes Gewissen. Einer muss sich schliesslich um den Rest der Liga kümmern, oder?
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, April 17, 2013
Wenn die Luft erst mal raus ist, tut auch die eine oder andere Backpfeife nicht mehr weh. Entsprechend sah der FC Energie gegen abstiegsgefährdete Bochumer letzten Sonntag auch keine Dringlichkeit, sein marodes Angriffsspiel endlich wieder auf Linie zu ziehen.
Dabei wollten die Cottbuser Kicker die restlichen Partien eigentlich nutzen, um sich schon für die neue Saison einzuspielen. Trainer Bommer hatte nach den feststehenden Abgängen von Kirschbaum, Adlung und Hünemeier schließlich einen Neuaufbau angekündigt. “Geht das jetzt schon wieder los?” horcht meine Waltraud auf. “Bei Wollitz gab’s damals ja auch jede Woche einen neuen Um- oder Durchbruch.”
Statt großer Konzepte sollten sich Trainer und Mannschaft vielleicht einfach mal vornehmen, die Saison halbwegs anständig bis zu Ende durchzuspielen. Dazu würde beispielsweise auch gehören, sich völlig unabhängig vom Tabellenstand volle Kanne in ein Derby wie nächstes Wochenende bei Dynamo Dresden reinzuhauen. Und wenn sich dabei noch die Cottbuser Offensive zurückmelden könnte, hätten wir auch mal einen echten Grund, wieder einigermaßen hoffnungsfroh für die nächste Spielzeit zu planen.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, April 10, 2013
Das Leben ist manchmal ungerecht. Letzten Sonntag zum Beispiel hätte Energie nach der Partie bei 1860 München wirklich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Immerhin machten die Kerle mit diesem zäh errungenen Zähler schon sechs Spieltage vor Saisonende die 40 Punkte voll und damit den Klassenerhalt klar.
„Und was ist daran jetzt so spektakulär?“ zickt meine Waltraud, die genau wie die halbe Lausitz lieber im Blumenbeet buddelte statt den Cottbuser Kickern zu gratulieren. Inzwischen haben die meisten Energiefans nämlich längst vergessen, wie die Mannschaft vor fast genau einem Jahr nach wochenlangem Kaffeefahrtfussball noch in den Abstiegskampf rutschte.
Bei aller Enttäuschung über die verpassten Chancen dieser Spielzeit haben wir in den kommenden Wochen zumindest keinen Tanz auf der Rasierklinge mehr zu befürchten. Darauf kann man am Sonntag im Stadion durchaus ein bescheidenes Bierchen zischen. Unser nächster Gegner Bochum wäre jedenfalls froh, wenn er zu diesem Zeitpunkt auch schon entspannt für die nächste Saison in der zweiten Liga planen könnte.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, April 3, 2013
Es ist schon erstaunlich wie schnell sich die Zeiten ändern. Vor einem halben Jahr war das Cottbuser Sturmduo Sanogo und Stiepermann ungefähr so beliebt wie Freibier und Steuersenkungen. Die Quirligkeit unserer Mittelfeldakteure Adlung und Farina machte dermaßen heiß, dass man sich für alle Fälle einen Ersatzschlüpfer mit ins Stadion nehmen wollte. Kurzum: Dieser Truppe hätte man auch eine Mondlandung zugetraut.
Mittlerweile stellt sich Abteilung Attacke ungelenk und orientierungslos an als wäre sie geschlossen in die FDP eingetreten. Wenn die Qualitäten des Grobmotorikers Sörensen plötzlich in den höchsten Tönen gelobt werden, spricht das vor allem auch Bände über seine pomadigen Nebenleute. Und falls sich trotz all dem Sand im Angriffsgetriebe gegen Aalen noch die Chance auf den Relegationsplatz bietet, versagt das Team wie ein Pennäler beim Gedichte aufsagen.
“Vielleicht sind wir Fans auch ein bisschen selber schuld”, hält meine Waltraud dagegen. “Ohne Euphorie wäre die Enttäuschung jetzt nicht so groß.” Aber man wird ja wohl als kompetentes Fachpublikum auch mal ein paar Luftschlösser bauen dürfen! Wer sich von Saisonbeginn an auf belanglose Duelle im grauen Mittelfeld wie nächsten Sonntag gegen 1860 München freut, der hat auch sonst nicht viel vom Leben.
Euer Erich Bollermann
Montag, April 1, 2013
Schaut man dieser Tage als Energiefan nach Weißwasser, dann kommt schon ein bisschen Wehmut auf. In den Playoffs der Zweiten Eishockey-Bundesliga liefern die Füchse nämlich gegen haushohe Favoriten gerade Gänsehaut in Serie ab. Nach dem Motto “Wer ist eigentlich Bietigheim?” brennt im alten Fuchsbau dermaßen die Luft, dass den Spielern fast das Eis unter den Kufen wegschmilzt.
Derweil kicken die Energieprofis am Donnerstag gegen Aalen allenfalls noch um die goldene Ananas. Waltraud und ich machen uns heute schon warme Gedanken für klirrend kalte 90 Minuten, in denen wir dem Herrgott für die Erfindung des Glühweins danken werden.
“Warum gibt’s im Fußball eigentlich keine Playoffs?” stellt meine Frau mal eine Grundsatzfrage. Ein guter Punkt! Aber statt auf entsprechende Regeländerungen zu warten, könnte Energie doch spätestens jetzt auch mal spielen als hätte man nichts mehr zu verlieren. Denn seit im Rennen um den Relegationsplatz endgültig Schicht im Schacht ist, sollten die Cottbuser Anhänger bis zum Saisonende wenigstens weiter ordentlich unterhalten werden. Ein Schützenfest am Donnerstag wäre da zum Beispiel ein schöner Einstieg ins Osterwochenende. Und parallel drücken wir den Füchsen natürlich alle Daumen für den Husarenstreich!
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, März 13, 2013
Geübte Nachtschwärmer wissen, dass man ein Fest am besten dann verlassen sollte, wenn die Stimmung gerade den Höhepunkt erreicht hat. So gesehen hätte das Stadion der Freundschaft eigentlich schon nach dem furiosen ersten Saisondrittel komplett leer stehen müssen.
Spätestens beim fürchterlichen Unentschieden gegen Regensburg vor zwei Wochen schien auch der letzten Thekeneule klar, dass die Cottbuser Fussballparty für diese Spielzeit gelaufen ist. Doch mit den Partien gegen Paderborn und Union zieht Energie nun plötzlich ein überraschendes Spätstück aus der Tasche.
Während die meisten Fans bereits auf dem Weg nach draußen waren, legten die Jungs um DJ Bommer zwei echte Gassenhauer auf. Will der FCE seine Anhänger auf den letzten Drücker doch noch zum Tanz um den Relegationsplatz bitten?
“Eigentlich hatte ich ja keine Lust mehr”, ziert sich meine Waltraud. “Aber wenn es die Kerle wirklich ernst meinen, bin ich dabei.” Auch den Rest der Lausitz zuckt es sofort wieder in den Hüften. Dafür erwarten wir am Freitag in Duisburg aber eine richtig flotte Nummer als Zugabe. Mit dieser Truppe macht man was mit…
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, März 6, 2013
Machen wir uns nichts vor: Die meisten Zweitligapartien sind spielerisch keine Offenbarung. Besonders bei knappen Kisten wie Energies Sieg in Paderborn behält meistens die Oberhand, wer mehr läuft und im Zweifel rustikaler über der Grasnarbe grätscht.
Dieser Ansatz ist ein bisschen wie Eisbeinessen: Gerade Feinschmecker haben damit oft Anlaufprobleme und sehnen sich stattdessen nach Filetspitzen mit edlem Sößchen. Auch der FC Energie schien sich in den vergangenen Wochen meist zu fein, um die Vorzüge der deftigen Fußballküche zu genießen.
Umso mehr überraschte der kämpferische Cottbuser Auftritt am vergangenen Freitag. “Hast du gesehen, wie der Sörensen den Paderborner Rasen beackert hat?”, war selbst meine Waltraud verblüfft. Der laufstarke Däne ist ja sozusagen die fußballerische Hausmannskost in Person. Doch in Kampfspielen wie zuletzt spielt der Junge seine Qualitäten aus wie ein Fleischer beim Schlachtefest.
Wollen wir hoffen, dass man sich nächsten Samstag als Energiefan im Stadion der Freundschaft auch wieder wie bei Muttern fühlt. Im Derby gegen Union bleibt jedenfalls garantiert kein Platz für etepetete.
Euer Erich Bollermann