Mittwoch, November 30, 2011
Bei Energie läuft‘s momentan wie in der Weltwirtschaft: Alles dümpelt verdächtig vor sich hin. Und keiner kann genau sagen, ob wir damit schon im nächsten Absturz stecken oder einfach nur ruhig bleiben und abwarten müssen.
Dabei sollte man dem FCE wie den meisten deutschen Firmen zu Gute halten, dass die nackten Zahlen bis jetzt noch einigermaßen in Ordnung sind. Immerhin holten die Kerle vier Punkte aus den letzten zwei Partien und blieben dabei ohne Gegentor. Doch wer die Cottbuser Kicker dort über volle 180 Minuten in ihrer ganzen Saftlosigkeit erlebte, macht sich zu Recht Gedanken, wie es diese Truppe unbeschadet in die Winterpause schaffen will.
„Du alter Schwarzmaler!“ fährt mir Waltraud sofort in die Parade. „Mit ein bisschen Glück hätten wir auch gegen Ingolstadt noch gewonnen.“ Das kann schon sein. Aber wenn sich Energie in nächster Zeit nur noch auf den Zufall verlassen will, sind wir nicht viel besser als die überschlauen Banker, die lieber zocken statt zu arbeiten.
Deshalb passt es ganz gut in den Plan, dass Cottbus an den nächsten beiden Wochenenden bei Union und Dynamo vor zwei echten Stresstests steht. Nach diesen Derbys wissen wir garantiert, ob unsere Jungs auch einen Rettungsschirm brauchen.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, November 23, 2011
Nach der letzten Cottbuser Pleitenserie hat man Pele Wollitz und seinen Kickern so einiges vorgehalten: Viel zu offensiv würde Energie agieren und in den entscheidenden Momenten vorn wie hinten die nötige Konzentration vermissen lassen.
Beim Vfl Bochum zog die Truppe nun als Antwort einen humorlosen Ergebnisfußball auf, den man in dieser Unansehnlichkeit sonst nur aus der italienischen Liga kennt. In einer zähen Partie voller Fehlpassstafetten stand der FCE defensiv sicher und staubte kurz vor Ultimo noch drei Punkte ab. Ausgerechnet die bereits als Fehleinkäufe abgestempelten Kucukovic und Ludwig bugsierten die Kirsche gemeinsam in den gegnerischen Kasten.
Selbst in den Schlussminuten bekam man nie das Gefühl, dass uns Bochum noch irgendwie gefährlich werden konnte. Roger und Hünemeier schirmten den Cottbuser Strafraum so konsequent ab, dass sie im Nebenjob auch als Türsteher anfangen könnten.
Hoffentlich ist dieser hochverdiente Auswärtserfolg jetzt endlich der Auftakt für die Serie, die Energie so bitter nötig hat. Machen wir gegen Ingolstadt am Sonntag doch einfach weiter wie die Italiener: Lieber hässlich gewinnen als schön verlieren!
Euer Erich Bollermann
Dienstag, November 15, 2011
Das ganze Euro-Chaos macht meine Frau völlig kirre. Dabei stört sie nicht etwa, wie gerade eine europäische Regierung nach der anderen auseinanderfliegt. Stattdessen hat Waltraud ernsthaft Angst, dass die kommende Europameisterschaft aus Kostengründen ausfallen könnte.
„Weißt Du, was so ein Großereignis kostet?“ fragte mich meine bessere Hälfte letztens. „Das streichen uns die da oben garantiert auch noch irgendwann.“ Doch ausgerechnet diese Sparmaßnahme wäre für den deutschen Fußball eine absolute Katastrophe! Denn selten hatte eine DFB-Elf so gute Chancen auf den Titel wie die Truppe von Jogi Löw.
Ganz egal wie die Partie gegen Holland heute Abend ausgeht: Noch nie waren deutsche Länderspiele so unterhaltsam wie jetzt. Gomez, Müller und Konsorten sorgen für echten Bankräuberfußball: Ein kaltblütiger Überfall aufs gegnerische Tor jagt den nächsten. Selbst wenn wie gegen die Ukraine Schnarchzapfen der Marke Träsch oder Aogo durchgeschleppt werden müssen, reicht‘s am Ende noch zum Unentschieden.
Man kann kaum noch erwarten, dass diese Himmelhunde im nächsten Sommer endlich auf Spanien losgelassen werden. Falls da noch irgendwas dazwischen kommt, zetteln Waltraud und ich höchstpersönlich einen Generalstreik an!
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, November 9, 2011
Meine Frau ist genau wie der FC Energie immer für eine Überraschung gut. Nächstes Wochenende fährt Waltraud nämlich zu einem Esoterikkurs. „Ich will mich endlich selber finden, bevor es zu spät ist“, hat sich meine bessere Hälfte felsenfest vorgenommen.
Vielleicht käme diese Veranstaltung kurzfristig auch für die Cottbuser Kicker infrage. Schließlich zeigte spätestens die Niederlage gegen Paderborn, dass bei Energie die Schwingungen nicht stimmen. Deshalb sollten die Kerle durchaus in Betracht ziehen, bei Entspannungstee und Räucherstäbchen mal schonungslos in sich hineinzuhorchen.
Denn rein vom Spielmaterial her steht Cottbus trotz einiger Verletzter nicht viel schlechter da als Düsseldorf oder Fürth. Doch laut Waltraud fehlt den Kerlen derzeit “die spirituelle Stärke” um in schwierigen Momenten die Nerven zu behalten. Und tatsächlich wurden wir in den letzten 14 Spielen viel zu oft von eklatanten Cottbuser Abwehrschnitzern ins Stimmungstief gerissen.
Meine Frau hält das für ein reines Kopfproblem. Und bei aller Skepsis: So langsam bin ich für jeden Hokuspokus offen, der unserer Mannschaft weiter hilft. Irgendwas muss jedenfalls
passieren.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, November 2, 2011
Eigentlich würde man ja erwarten, dass die Cottbuser Kicker inzwischen wissen, wo sie hingehören. Doch statt in den heimatlichen Gefilden des Stadions der Freundschaft aufzutrumpfen, profiliert sich Energie diese Saison lieber auswärts.
Elf seiner 18 Punkte holte der FCE bisher in der Fremde. Trotz des späten Rostocker Ausgleichstreffers letzten Freitag hat man insgesamt das Gefühl, als würde unsere Mannschaft bei Auswärtsspielen einen Tick robuster auftreten als zu Hause. Zudem liegt der letzte Heimsieg nun schon über zwei Monate zurück. „Sind wir Lausitzer den Kerlen etwa nicht mehr gut genug?“ macht sich meine Frau ernsthaft Sorgen.
Ich kenne das ja aus wilden Jugendjahren: Es hat durchaus seinen Reiz, mal irgendwo auf den Putz zu hauen, wo einen keiner kennt. Aber nach dreißig Jahren Ehe weiß ich auch, dass man sich seine beste Seite immer für zu Hause aufheben sollte. Und wenn ich dort so durchgehangen hätte wie der FCE in den letzten Heimspielen, würde mich Waltraud längst in unserer Gartenlaube schlafen lassen.
Das Stadion der Freundschaft war für Energie mal eine echte Festung. Genau diesen Eindruck sollten wir Paderborn nächsten Sonntag auch vermitteln.
Euer Erich Bollermann