Mittwoch, Februar 22, 2012
Vielleicht fühlte sich der FC Energie bis zur Pleite in Karlsruhe ein bisschen zu sicher. Obwohl Cottbus weiter im gesicherten Mittelfeld der Tabelle rangiert, beträgt der Puffer zu den Abstiegsplätzen nur sechs Punkte.
Meine Waltraud und ich befürchten ehrlich gesagt, dass es unserer Truppe wie Hertha BSC ergehen könnte. Die Berliner wurden trotz solider Hinrunde innerhalb weniger Wochen in den Tabellenkeller durchgereicht. Jetzt starten Preetz und Co. mit Otto Rehhagel ein echtes Himmelfahrtskommando, um den Klassenerhalt zu retten.
Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie ein ähnlicher Ernstfall in der Lausitz aussehen würde. Auf Abstiegskampf bis zur letzten Sekunde mit Ede Geyer oder Fritze Bohla als Feuerwehrmann auf der Trainerbank können wir jedenfalls getrost verzichten!
Deshalb sollten alle Beteiligten um jeden Preis verhindern, dass Rudi Bommer zum Michael Skibbe der zweiten Liga wird. Ein Heimerfolg gegen Aue könnte diese Sorgen zumindest vorläufig im Keim ersticken. Selten war ein Derbysieg so wichtig wie nächsten Samstag.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, Februar 15, 2012
Den Rest dieser Spielzeit hatten wir uns alle ein bisschen anders vorgestellt. Doch auch mit neuem Trainer verweigert Energie Heimsiege weiter genauso konsequent wie Bundespräsident Wulff seinen Rücktritt. Trotz bester Gelegenheiten brachten es die Kerle gegen Aachen tatsächlich fertig, mit einem Unentschieden vom Platz zu schleichen.
Tabellentechnisch hat dieser Punkteverlust zum Glück keine Folgen, weil Cottbus sowieso im grauen Mittelfeld feststeckt. Meiner Waltraud kam daher die fixe Idee, in den verbleibenden 13 Spielen einfach mal Urlaub vom FCE zu machen und erst zur neuen Saison im August wieder in den Fanbetrieb einzusteigen.
Zugegeben: Es gab zuletzt tatsächlich einige Cottbuser Partien, bei denen das Abhobeln der Hornhaut zwischen den Zehen mehr Freude gemacht hätte als der Blick aufs Spielfeld. Aber wer die rot-weiße Leidenschaft danach wie eine Stehlampe ausknipsen konnte, der begeistert sich sonst höchstens noch an seiner Steuererklärung.
Solange unsere Truppe nicht blutleer und charakterlos wie Hertha BSC kickt, drücke ich ihr deshalb auch am Freitag gegen Karlsruhe die Daumen. Es kommen garantiert irgendwann wieder bessere Zeiten!
Euer Erich Bollermann
Donnerstag, Februar 9, 2012
Man zahlt für alles im Leben einen Preis. Profifußballer verdienen zwar mächtig Kohle und kommen an die schärfsten Mädels ran. Aber dafür müssen sie wie unsere Cottbuser Kicker letzten Montag auch bei minus 12 Grad Celsius gegen die Lederkugel treten.
Derweil kuschelten Waltraud und ich gemütlich mit Glühwein auf dem Sofa und beobachteten, wie sich Energie den Weg zum Münchner Tor verbaute. Dieses Bibberspiel erinnerte mich daran, dass meine eigene Fußballerlaufbahn einst kältebedingt ein jähes Ende fand. Als junger Rechtsaußen fror ich mir nämlich im Winter auf den Fußballplätzen der Lausitz regelmäßig die Zehen an. Nachdem mein großer Onkel bei einer eisigen Partie in Peitz kurz vor der Amputation stand, schmiss ich die Brocken hin und konzentrierte mich stattdessen auf Frauen und Bier.
Die Cottbuser Pleite in München hat bewiesen, dass ich damit zumindest für einen Abend alles richtig gemacht habe. Falls es bis Freitag gegen Aachen nicht wärmer wird, sollte man unseren Jungs zumindest ein bisschen Frostschutzmittel in den Pausentee mischen.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, Februar 1, 2012
Der erste Eindruck bleibt immer hängen. Meine Frau macht sich noch heute darüber lustig, wie großspurig ich sie damals beim Dorftanz anbaggerte. Laut Waltraud war ich ein ähnlicher Typ wie Pele Wollitz: Erst mal ordentlich auf die Pauke hauen!
Rudi Bommer hingegen verfolgte bei seinem Dienstantritt in Cottbus einen komplett anderen Ansatz. Statt vollmundig Aufholjagd oder Aufstieg zu versprechen, führte sich der neue Übungsleiter mit warmen Worten zu Umfeld und Trainingsbedingungen ein. Als er dann noch ankündigte, bald Frau und Kinder in die Lausitz nachzuholen, ging meiner Waltraud gleich das Herz auf.
Bei aller Höflichkeit scheint Bommer aber schon jetzt einen klaren Plan im Kopf zu haben. Von Beginn an nahm er sich unser leidiges Abwehrproblem zur Brust. Durch Energies neuen Trainer begriff inzwischen selbst meine Frau, dass Pressing nichts mit Schwangerschaftsgymnastik zu tun hat. Auch die Härtefälle Adi, Kucukovic und Nwaogu auszusortieren war längst überfällig.
In der Lausitz schätzt man Leute, die zupacken und gleichzeitig wissen was sich gehört. Damit hat Rudi Bommer also vom Start weg gepunktet. Vielleicht kann er nächsten Montag bei 1860 München auch gleich die ersten Zähler auf dem Rasen nachlegen.
Euer Erich Bollermann
Freitag, Dezember 30, 2011
Kaum schleicht die bucklige Verwandtschaft nach Weihnachten endlich vom Hof, fallen Waltraud und ich regelmäßig in ein kleines Loch. Denn außer dem Gelage an Silvester gibt es in der Winterpause nichts, worauf man sich so richtig freuen könnte.
Doch Dank Energies Verpflichtung von Rudi Bommer herrscht diesmal selbst zwischen den Jahren helle Aufregung. Am liebsten möchte man als Cottbuser Fußballfan sofort den nächsten Wunschzettel schreiben!
Meine Frau und ich konnten uns für 2012 zügig auf drei bescheidene Anliegen an den neuen Trainer einigen: Erstens brauchen wir unbedingt wieder Heimsiege. Das Stadion der Freundschaft darf auf keinen Fall ein Wallfahrtsort für Mannschaften bleiben, die auswärts mal schnell drei Punkte einfahren wollen. Zweitens sehnen wir uns nach einer halbwegs stabilen Abwehr, die auch mal einen knappen Vorsprung über die Zeit rettet. Und drittens würden wir gerne die Derbys gegen Aue, Hansa und Union gewinnen. Da der Aufstieg längst außer Reichweite ist, muss Energie zumindest im Osten für klare Verhältnisse sorgen.
Das ist hoffentlich insgesamt nicht zuviel verlangt. Als Gegenleistung fiebert Familie Bollermann auch wie immer auf der Tribüne und vor der Glotze mit. Also guten Rutsch und dann an die Arbeit!
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, Dezember 21, 2011
Vielleicht haben wir am letzten Sonntag zum letzten Mal den offensivsten FC Energie aller Zeiten erlebt. Fast wie in den Glanzzeiten der letzten Saison zettelten die Cottbuser Kicker gegen Duisburg einen Sturmlauf nach dem anderen an.
Doch meine Waltraud und ich sind es inzwischen leid, wenn sich unsere Truppe trotz engagierter Leistung kurz vor Schluss noch zwei Punkte abknöpfen lässt. Ehrlich gesagt hätten wir in Zukunft auch keine Probleme mit einer defensiveren Ausrichtung, falls damit wieder öfter Siege herausspringen. Da halten wir es ganz mit Otto Rehhagel, der nach dem griechischen Triumph bei der EM 2004 lapidar meinte: „Modern spielt, wer gewinnt“.
Denn als Cottbuser Fan hat man in den letzten fünf Jahren von konsequenter Mauerei unter Bojan Prasnikar bis zum spektakulären Angriffsfußball des Claus-Dieter Wollitz zwei echte taktische Extreme mitgemacht. Mit beiden Spielweisen feierte Cottbus zwischenzeitlich ja auch Erfolge. Allerdings wäre es vielleicht langsam an der Zeit, einen Mittelweg einzuschlagen, der diese radikalen Philosophien irgendwie zusammenführt. Herr Bommer, bitte übernehmen Sie!
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, Dezember 14, 2011
Mein Stammtischkumpel Willi hatte sich vor ein paar Jahren in die dralle Gisela vom Baumarkt verguckt. Über fünf Ecken bekam das dann seine Frau mit, die vorher aber selber fast mit dem Postboten durchgebrannt wäre. Von da an gab es Mord und Todschlag. Bei der Scheidung feilschten beide um jede Wäscheklammer und hassen sich noch heute bis aufs Messer.
Am Beispiel von Energie ließ sich letzte Woche prima beobachten, dass man auch ohne Rosenkrieg auseinandergehen kann: Claus-Dieter Wollitz hatte wegen seiner alten Liebe Osnabrück Schmetterlinge im Bauch. Der FCE war zur gleichen Zeit spitz wie Nachbars Lumpi auf Rudi Bommer. Großen Respekt an alle Beteiligten, dass man diese heikle Situation so vernünftig und geräuschlos regeln konnte!
Bei allem Lob für die glückliche Trennung ging aber unter, dass die Bremer Langzeitbeziehung mit Thomas Schaaf sowohl im Fußball als auch im wahren Leben das ultimative Vorbild bleibt. Nichts geht über einen Partner, mit dem man jahrelang durch Dick und Dünn gehen kann. Ohne meine Waltraud wäre ich inzwischen jedenfalls nicht mal mehr die Hälfte wert. Hoffentlich macht Rudi Bommer unseren FCE auch über längere Zeit glücklich.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, Dezember 7, 2011
Zum Abschluss der Hinrunde präsentierten sich die Cottbuser Kicker gegen Union noch mal genauso kraft- und trostlos, wie wir es in den letzten Wochen schon öfter ertragen mussten.
„Wenn Du beim Nikolaus einen Wunsch frei hättest“, fragte meine Frau gestern. „Was würde dann bei Energie anders laufen?“ Da stand ich ehrlich gesagt richtig auf dem Schlauch. Denn mittlerweile klemmt es in allen Mannschaftsteilen dermaßen, dass eine Wundertat alleine wohl nicht ausreicht. ´
Trainer Wollitz wirft dem Cottbuser Anhang ja manchmal vor, zu hohe Ansprüche zu haben. Waltraud und ich sind jedenfalls weit davon entfernt, für den Rest der Saison noch eine rot-weiße Aufholjagd zu erwarten. Aber zum Jahresausklang würde es guttun, zumindest einen kleinen Aufwärtstrend zu sehen.
Ganz konkret bräuchten wir mal wieder eine halbwegs engagierte Leistung über 90 Minuten mit einigermaßen Zug zum Tor. Ein vollends überzeugender Sieg in Dresden am Sonntag wäre derzeit wahrscheinlich zu viel verlangt. Andererseits will man den Nikolaus ja auch nicht unterfordern.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, November 30, 2011
Bei Energie läuft‘s momentan wie in der Weltwirtschaft: Alles dümpelt verdächtig vor sich hin. Und keiner kann genau sagen, ob wir damit schon im nächsten Absturz stecken oder einfach nur ruhig bleiben und abwarten müssen.
Dabei sollte man dem FCE wie den meisten deutschen Firmen zu Gute halten, dass die nackten Zahlen bis jetzt noch einigermaßen in Ordnung sind. Immerhin holten die Kerle vier Punkte aus den letzten zwei Partien und blieben dabei ohne Gegentor. Doch wer die Cottbuser Kicker dort über volle 180 Minuten in ihrer ganzen Saftlosigkeit erlebte, macht sich zu Recht Gedanken, wie es diese Truppe unbeschadet in die Winterpause schaffen will.
„Du alter Schwarzmaler!“ fährt mir Waltraud sofort in die Parade. „Mit ein bisschen Glück hätten wir auch gegen Ingolstadt noch gewonnen.“ Das kann schon sein. Aber wenn sich Energie in nächster Zeit nur noch auf den Zufall verlassen will, sind wir nicht viel besser als die überschlauen Banker, die lieber zocken statt zu arbeiten.
Deshalb passt es ganz gut in den Plan, dass Cottbus an den nächsten beiden Wochenenden bei Union und Dynamo vor zwei echten Stresstests steht. Nach diesen Derbys wissen wir garantiert, ob unsere Jungs auch einen Rettungsschirm brauchen.
Euer Erich Bollermann
Mittwoch, November 23, 2011
Nach der letzten Cottbuser Pleitenserie hat man Pele Wollitz und seinen Kickern so einiges vorgehalten: Viel zu offensiv würde Energie agieren und in den entscheidenden Momenten vorn wie hinten die nötige Konzentration vermissen lassen.
Beim Vfl Bochum zog die Truppe nun als Antwort einen humorlosen Ergebnisfußball auf, den man in dieser Unansehnlichkeit sonst nur aus der italienischen Liga kennt. In einer zähen Partie voller Fehlpassstafetten stand der FCE defensiv sicher und staubte kurz vor Ultimo noch drei Punkte ab. Ausgerechnet die bereits als Fehleinkäufe abgestempelten Kucukovic und Ludwig bugsierten die Kirsche gemeinsam in den gegnerischen Kasten.
Selbst in den Schlussminuten bekam man nie das Gefühl, dass uns Bochum noch irgendwie gefährlich werden konnte. Roger und Hünemeier schirmten den Cottbuser Strafraum so konsequent ab, dass sie im Nebenjob auch als Türsteher anfangen könnten.
Hoffentlich ist dieser hochverdiente Auswärtserfolg jetzt endlich der Auftakt für die Serie, die Energie so bitter nötig hat. Machen wir gegen Ingolstadt am Sonntag doch einfach weiter wie die Italiener: Lieber hässlich gewinnen als schön verlieren!
Euer Erich Bollermann